Philosophie

Philosophie der Hanse-Unternehmerinnen

Neben der norddeutschen Hanse muss man vor allem das mittelalterliche Italien als Wiege des Kaufmannswesen nennen. Das Streben nach Klarheit und Eindeutigkeit findet sich bereits im 15. Jahrhundert. Hier schreibt der Gelehrte und Franziskaner Luca Pacioli in seinem mathematischen Hauptwerk „Summa de arithmetica, geometrica, proportioni et proportionalita“ auch grundlegende Regeln und Methoden des Kaufmanns auf (er dokumentiert unter anderem die bereits geläufige doppelte Buchführung). Die sachlichen  und menschlichen Erkenntnisse dieser Zeit haben seit über über 6 Jahrhunderten Bestand. Bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts hat der florentinischen Kaufmann Dino Compagni einen eindeutigen Verhaltenskodex für Kaufleute verfasst, der so überliefert ist:

„Dies soll ein jeder wahrer und ehrlicher Kaufmann beherzigen: Integrität steht ihm gut an. Weitblick hält seine Geschäfte gesund und was er verspricht soll er halten (Zuverlässigkeit). Und er sollte –so es ihm gelingt- sich bewundernswert und ehrlich verhalten im Einklang mit dem was er benötigt oder beabsichtigt. Um günstig einzukaufen soll er teuer ohne Tadel verkaufen mit bewundernswerter Höflichkeit. Er unterwirft  sich der Kirche und spendet für Gott. Er wächst im Ansehen und sein Wort bindet ihn. Wucher (Maßlosigkeit) und Würfelspiel, welche alles vernichten können, sind ihm verboten. Er rechnet sorgfältig und irrt sich nie.“

Die markierten Begriffe stehen für grundlegende Werte und für wirtschaftliches Handeln immer noch mehr als aktuell und hilfreich: Integrität, Nachhaltigkeit (Weitblick), Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Maßhalten. Die Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns sind damit fast umfassend beschrieben. Aus heutiger Sicht ist noch ein weiter Wert hinzuzusetzen: Dem Menschen zugewandt leben und handeln.

Mit diesen wenigen Worten ist für die Hanse-Unternehmerin ihr Wertesystem beschrieben:

  • Werte, die eine lange Tradition haben und aktueller denn je sind
  • Grundsätze, die im Alltag oft verloren gehen und es doch wert sind, gelebt zu werden.
  • Werte mit Zukunft, die das Fundament für ihre Arbeit, ihr ehrenamtliches Engagement wie auch das Einbeziehen des persönlichen Umfeldes sind.

 

Lübeck, 10.3.2011